Warum Yoga für Senioren besonders gut ist

Was sind eigentlich Senioren? Körperlich oder vom Alter her? Ich erinnere mich immer noch gerne daran, dass ich meinen Yogakurs für Senioren vertreten ließ und meine Vertretung zu Beginn der Stunde alles Hocker für die TeilnehmerInnen aufstellte. Diese kamen dann herein und waren entsetzt. Warum liegen wir nicht wie immer auf der Matte?

Laut Wikipedia bezeichnet man „Senior als einen lebensälteren Menschen, beispielsweise im Rentenalter oder Ruheständler. Ferner wird ein Ältester in einem Kreis, Kollegium oder Ähnlichem als Senior bezeichnet. Als gesellschaftliche Gruppe sind Senioren unter anderem als Zielgruppe des Marketings relevant, die mit Schlagworten wie Best Ager belegt werden.“

Im Sport sieht es allerdings schon ganz anders aus: „Die Bezeichnung für ältere Sportler ist insgesamt sehr uneinheitlich. Während in einigen Sportarten der Begriff „Senioren“ als Synonym für den gesamten Erwachsenenbereich ab 18 Jahren verwendet wird (in der Abgrenzung zu den Junioren), gilt er in anderen Sportarten für Sportler ab einem bestimmten höheren Lebensalter (meist ca. 30 Jahre), ab dem man eine zurückgehende Leistungsfähigkeit unterstellt. Diese Klassen werden verschiedentlich auch als Masters, Veteranen- oder Altersklasse bezeichnet.“ Und beim Golf beginnt die Altersklasse der Senioren sogar erst ab dem 75. Lebensjahr.

Yoga kennt kein Alter

Wie alt fühlst du dich? Tatsächlich fühlen sich auch schon einige TeilnehmerInnen in jungen Jahren beim Yoga als Senioren 😉 Aber nach einigen Yogastunden ändert sich das allmählich. Und das gilt für jede*n TeilnehmerIn. Denn – wie schon gesagt – Yoga kennt kein Alter. Es wirkt immer. Und es wirkt immer positiv. Jede*r übt nach den eigenen Möglichkeiten und erreicht dadurch ein immer besseres Körpergefühl. Die Muskulatur und auch die Gelenke werden immer elastischer. Durch das Einwirken auf die Wirbelsäule funktionieren auch die Organe immer besser und können ihre Funktionen allmählich optimal ausführen.

Natürlich sammelt man im Laufe des Lebens Verletzungen, Krankheiten und andere Einschränkungen ein. Und je älter man wird, um so mehr Zeit hat man dafür, um so mehr können es werden. Es gilt also im Yogaunterricht für SeniorInnen gut darauf zu achten, welche asana hilfreich sind und das Verständnis zu entwickeln, wann eine Übung gut tut bzw. wann es Sinn macht eine Alternative anzubieten.

Yoga kennt kein Alter. Ich habe viele Jahre Senioren in meinem Unterricht begleitet. Die Älteste was tatsächlich schon über 100 Jahre alt. Aber auch Senioren im Pflegeheim, die im Rollstuhl saßen, konnten an meinem Unterricht teilnehmen. Da kann man erkennen, wie vielfältig der Yogaunterricht für SeniorInnen sein muss.

Die Einen sind im „normalen“ Unterricht noch sehr gut aufgehoben. Die Anderen können nur noch ganz sanft im Sitzen unterrichtet werden. Alles dazwischen ist richtig.

Was gilt es bei SeniorInnen zu beachten?

Die Einschränkungen sind, wie schon angedeutet, sehr vielfältig. Da können Operationen das Üben beeinträchtigen. Aber auch Bewegungseinschränkungen auf Grund einseitiger Bewegungen bzw. Abbau der Muskulatur, weil man sich zu sehr schont oder verschiedenste Krankheiten. Der Atem wird vernachlässigt. Und sowieso… früher… Der Geist wird immer enger. Auch bei Demenz kann Yoga Einfluss nehmen. Durch die ungewohnte Bewegung werden neue Verbindungen im Gehirn geschaffen. Die Aktivität der Hirntätigkeit wird wieder erhöht und lässt demente Menschen bis zu einem gewissen Grad wieder „aufwachen“.

Eigentlich sind es aber auch alles Einschränkungen, die einen im jungen Alter schon ereilen können. Der Unterschied ist nur, dass es im Alter etwas länger dauert, bis man sich von einigen wieder lösen kann. Man hat sich schon daran gewöhnt und traut sich kaum zu, dass man „noch was“ ändern kann.

Der Yogaunterricht für SeniorInnen sollte also so gestaltet sein, dass wieder Vertrauen in den eigenen Körper entstehen kann. Hilfsmittel, die zu Anfang noch ganz wichtig sind um Sicherheit zu erlangen, können nach einiger Zeit überflüssig werden. Der Atem verändert sich. Der Körper wird immer besser mit Sauerstoff versorgt. So kann er sich schneller erneuern und neue Kraft schöpfen. Die Gelenke werden flexibler, Operationen werden überflüssig. Immer wieder habe ich beobachtet, dass die Stimmung im Kurs immer besser wurde. Man freute sich sehr über die eigenen Fortschritte und die Erleichterungen, die dadurch im Alltag eintreten.

Wie sieht mein Unterricht für SeniorInnen aus?

Er unterscheidet sich in der Regel nicht großartig vom anderen Unterricht. Allerdings lege ich Wert auf bestimmte Kriterien, damit SeniorInnen den besten Nutzen aus dem Unterricht ziehen können:

  • Bewegungsmöglichkeiten der Gelenke verbessern. Meist leidet man unter Schmerzen in den Knien, Hüftgelenken oder Schultern. Diese gilt es für mich wieder zu aktivieren. Langsam verschwinden dadurch die Schmerzen und der Bewegungsradius der einzelnen Gelenke vergrößert sich allmählich. Die Flexibilität kehrt zurück.

  • Ebenso ist es ganz wichtig, den gesamten Körper wieder flexibler zu machen. Die Muskulatur wird aktiviert und lässt sich leichter dehnen und bewegen.

  • Der Fokus auf die Atemtechnik vergrößert langsam wieder das Lungenvolumen. Das ist sehr wichtig um zum Einen den Körper wieder besser mit Sauerstoff zu versorgen. Aber zum Anderen auch, dass der Geist zur Ruhe kommen kann und nicht mehr nur um die selben Gedanken kreist, was im Alter leider so oft der Fall ist.

  • Muskelaufbau ist auch sehr wichtig. Meist bewegt man sich immer gleich, sitzt sehr viel und schont sich, weil eben die diversen Beeinträchtigungen davon abhalten sich zu bewegen. Viele Menschen werden im Alter rund im Rücken und haben kaum noch haltende Muskulatur. Ganz sanft kann man im Yoga daran arbeiten, diese wieder zu aktivieren. Ganz nebenbei beschützt eine starke Muskulatur auch die Knochen und Gelenke.

  • Viele Menschen verlieren im Alter das Gefühl für das Gleichgewicht. Daher stürzen sie häufig. Da ist dann neben dem Muskelaufbau auch die Wiedererlangung des Gleichgewichtssinns ein Thema in meinen Stunden.

Dabei achte ich immer darauf, dass es genügend Alternativen in den einzelnen Yogaübungen gibt, damit sich jede*r allmählich an die Haltung herantasten kann.

Und zum guten Schluss

Ich habe viele Jahre SeniorInnen unterrichtet und freue mich immer wieder daran, welche Fortschritte selbst noch in hohem Alter erzielt werden können. Ich sehe die große Freude, wenn eine asana gelingt. Und ich erlebe, wie sich die Stimmung in der Gruppe, aber auch bei jede*m einzelnen mit jeder Stunde weiter hebt. Die Körperhaltung ändert sich und auch die Haltung gegenüber anderen Menschen. Es ist einfach wunderbar, alles dies wahrzunehmen.

In diesem Monat gebe ich dir ganz besondere Yoga-Einheiten speziell für Senioren. Sei doch mit dabei und teste die Wirkung aus.

Aber – wie schon zu Beginn erwähnt – alle asana eignen sich für jedermann. Sie tun einfach gut.

Namasté

Gaby

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