Faszien

Als ich anfing mich für die Faszien zu interessieren, erklärte sich mir so einiges, was mit den Auswirkungen des Yoga zu tun hatte. Es wird ja immer verbreitet, dass Yoga das Immunsystem anregt. Außerdem weiß man, dass der Körper beweglicher wird.

Mittlerweile ist es bekannt: Faszien sind das Bindegewebe im Körper. Aber meist ist man der Ansicht: Bindegewebe – das liegt direkt unter der Haut. Im Alter lässt es nach und man bekommt Falten.

Allerdings ist es so, dass das Bindegewebe, also die Faszien, im ganzen Körper zu finden sind. Die Faszien umhüllen den Körper und auch die einzelnen Organe sowie die Knochen, Muskeln und Nervenbahnen. Eben alles und hält es in Form und am Platz. Je nach Aufgabe sind die Faszien verschieden dick, damit sie besser schützen oder besser halten können.

Erst in den letzten Jahren hat man sich das Bindegewebe genauer angeschaut. Bis dahin wurde es in der Forschung entfernt um die Organe, Muskeln etc. besser untersuchen zu können. Aber die Technik entwickelte sich weiter und man bekam dadurch die Möglichkeit, sich auch die Faszien genauer anschauen und untersuchen zu können. Man kam dahinter, dass die Faszien eben sehr viel mehr können, als „nur“ das Gewebe zu verbinden und zu halten.

Was kann man sich unter Faszien nun vorstellen?

Bei den Faszien handelt es sich um ein Gewebe, das aus kollagenen Fasern besteht. Auch Kollagen vermutet man zunächst nur in der Haut. Kollagene sind Eiweiße, die in diesem Fall den Faszien ihre Festigkeit und gleichzeitig Flexibilität geben. Die Fasern der Faszien sind hohl und mit einer Flüssigkeit gefüllt, die unter anderem auch einen Teil unseres Immunsystems beherbergen. Bewegt man also die Faszien, kommt auch unser Immunsystem in Schwung und wird aktiviert.

Das Gewebe sieht wirklich „gewoben“ aus. Einzelne Fäden, die wie ein Leinenstoff gewoben sind. In der Schule haben wir auf solchen Stoffen noch gestickt. Und da sie aus Kollagen bestehen, sind sie dehnbar und in alle Richtungen zu bewegen, ähnlich einem Jerseystoff. Aber immer noch fest genug um ihre Aufgaben zu erfüllen.

Welche Aufgaben haben die Faszien?

Da ist zu unterscheiden, wo im Körper wir uns die Faszien anschauen.

  • Es gibt die oberflächlichen Faszien. Sie liegen direkt unter der Haut, also an der Oberfläche des Körpers. Diese sind eher locker „gewoben“. Daher entstehen für uns sehr sichtbar unsere Falten. Diese Faszien speichern Wasser und Fett und dienen u.a. auch als Puffer.

  • Dann gibt es die tiefen Faszien. Das sind diejenigen, die uns hier am meisten interessieren. Die tiefen Faszien umhüllen die Muskeln, Knochen, Nervenbahnen und Blutgefäße. Sie sind dicker, bzw. dichter gewoben als die oberflächlichen Faszien. Man kann sie oft auch als Platten erkennen. Sie vernetzen das Innere des Körpers. Halten also alles an seinem Platz und in Form. Da der Körper ständig in Bewegung ist, ist es wichtig, dass auch diese Faszien beweglich bleiben.

  • Zu guter Letzt sind auch die sog. viszeralen Faszien erwähnt. Diese sorgen dafür, dass die Organe am Platz bleiben. Sie dienen quasi als Aufhängung und umhüllen gleichzeitig die Organe.

Innerhalb dieser Fasziengruppen werden noch viele Untergruppen unterschieden. Darauf will ich aber hier nicht eingehen. Es würde den Rahmen sprengen.

Tiefe Faszien – welchen Einfluss haben sie auf unsere Bewegung?

Wie ich schon erwähnt habe, will ich hier nun näher auf die tiefen Faszien eingehen. Das sind diese, die unsere Bewegung erheblich einschränken können. Da wird für uns am einfachsten sichtbar, dass die Faszien nicht mehr so funktionieren, wie sie eigentlich könnten.

Die tiefen Faszien umhüllen also unter anderem auch unsere Muskeln. Vielleicht kennst du das: Wenn du ein Stück Schweine- oder Rinderleber verarbeiten möchtest, ist sie oft von einen dünnen weißen Schicht umhüllt, die du dann entfernst. Genau das sind Faszien. Da sie sich normalerweise in alle Richtungen bewegen können – eben wie ein Jerseystoff – kann sich der Muskel entsprechend auch in seine für ihn vorgesehenen Richtungen bewegen. Die Flüssigkeit in den Faszien kann frei fließen, belebt die Faszie. Alles ist in Ordnung.

Jetzt kann es aber dazu kommen, dass eine Bewegungseinschränkung eintritt, auf Grund eines Unfalls, einer Verletzung oder Verstauchung. Der Muskel wird nicht mehr entsprechend seiner Bestimmung bewegt. Dadurch auch nicht die Faszie. Die Folge ist, dass die Faszie allmählich verfilzt, verhärtet und ihre Beweglichkeit verliert. Und selbst, wenn die Einschränkung längst ausgeheilt oder aufgehoben ist, bleibt der Muskel unbeweglich. Er wird von der Faszie festgehalten.

Wie wird eine verfilzte Faszie wieder beweglich?

Es wäre ja außerordentlich schade, könnte man diesen Zustand nicht wieder rückgängig machen. Und unser Körper, das ganz besonders intelligente Wesen, hat ja auch das Bestreben, solche Einschränkungen wieder zu beseitigen und gesund zu werden. Nur, bei den Faszien kann er sehr gut Hilfe gebrauchen. Denn damit kann die Heilung entscheidend beschleunigt werden.

Faszien können gut von außen behandelt werden. Du kennst es sicherlich: Nach einer Massage bist du auf einmal viel beweglicher. Denn in der Massage wird das Bindegewebe – sprich Faszie – bearbeitet. Du kannst also deine Faszien wieder flexibel machen, indem du sie dehnst, drückst, in der Länge anspannst oder dich einfach nur auf eine spezielle Weise bewegst.

…und da kommt Yoga ins Spiel

Nimmst du an einer speziellen Form des Yogaunterrichts teil oder besuchst Yoga einer entsprechenden Tradition, stellst du fest, dass du tatsächlich allmählich gelenkiger, also flexibler wirst. Denn, in diesem Unterricht werden Haltungen oft sehr lange eingenommen. Bestimmte Muskelgruppen werden so weit wie möglich gedehnt. (Jetzt weißt du, dass es eigentlich die Faszien sind) Und wenn du länger in dieser Haltung bleibst, spürst du auf einmal, dass der Muskel noch weiter nachgeben kann und immer länger wird. Das ist das Zeichen dafür, dass eine verfilzte Faszie allmählich wieder beweglich wird, den Muskel frei gibt und du dich wie eigentlich vorgesehen bewegen kannst.

Diese Form des Unterrichts ist zum Beispiel Yin Yoga. Also eher eine langsame, sehr achtsame Art Yoga zu üben. Da hast du genug Zeit ein Gefühl für deinen Körper zu entwickeln. Du spürst, wo du zunächst unbeweglich bist und kannst entsprechende asana einsetzen um beweglicher zu werden. Auch einfache ausdauernde Bewegungen, sog. karana (z.B. Atemkatze, Sonnengruß) beeinflussen die Faszien. Teilweise findet eine angenehme Massage durch den eigenen Körper statt (dynamische Schulterbrücke) oder die sanfte Bewegung löst allmählich die Verfestigung der Faszien.

Du siehst, wie schon oben erwähnt: „Du kannst deine Faszien wieder flexibel machen, indem du sie dehnst, drückst, in der Länge anspannst oder dich einfach nur auf eine spezielle Weise bewegst.“

Und so findest du in diesem Monat genau zu diesem Thema meine YouTube-Videos. Yin Yoga, Faszien-Yoga, langsame karana. Damit kannst du austesten, wie Yoga auch auf deine Faszien wirken kann.

Ich wünsche dir viel Spaß dabei!

Namasté

Gaby

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